Welche Bereiche – außer der eigentlichen Finanzbuchhaltung – werden sich in den Gemeinden durch die Doppik verändern?

In den Kirchengemeinden wird es neue Formulare und Arbeitsprozesse für die Bearbeitung der Rechnungen geben. Dies gilt auch für die Hand- und Kollektenkassen.

Ein anderes Beispiel: Schon bisher stand in der Haushaltsordnung für Kirchengemeinden die grundsätzliche Verpflichtung zur Bildung einer Substanzerhaltungsrücklage in Höhe der erforderlichen Eigenmittel. Die Doppik wird nun den Substanzverlust der Gebäude und der Sachanlagen deutlicher aufzeigen. Der jährliche Ausweis des Abschreibungsaufwands verdeutlicht stärker als bisher die Notwendigkeit einer langfristigen Haushaltsvorsorge und erfordert genaue Überlegungen für den Haushaltsausgleich.

Führt die Doppik dazu, dass Gemeinden sich zukünftig ihr Gemeindehaus nicht mehr leisten können?

Die Doppik als Rechnungswesen hat keinen unmittelbaren Einfluss auf die Nutzung von Gemeindehäusern. Allerdings zeigt sie auf, ob sich die Gemeinde ihr Gemeindehaus in dieser Größe mit unveränderter Nutzung auf Dauer leisten kann. Der jährliche Substanzverlust des Gebäudewertes geht nun in den Haushalt der Kirchengemeinde als Aufwand ein, den es langfristig auszugleichen gilt. Erläuterungen zur Substanzerhaltungsrücklage gibt es im Downloadbereich.

Stichwort „Kollekten“: Nimmt die Doppik den Gemeinden die Kollekten weg?

Die Doppik beeinflusst weder die Möglichkeiten und Pflichten der Kirchengemeinden, Kollekten zu erheben, noch die unmittelbare Verwendung dieser Einnahmen. Sind Kollekten mit einer konkreten Zweckbestimmung abgekündigt worden, müssen diese Zweckbindungen auch in der Doppik zwingend beibehalten werden. Mit dem vollständigen Ausweis in der Bilanz wird sogar deutlicher, in welchem Umfang sich zweckgebundene Mittel in der Obhut einer Kirchengemeinde befinden.

Auch bisher war es erforderlich und üblich, dass Kirchengemeinden vielfach auf Kollekten zurückgreifen, um besondere Ausgaben zu decken oder den Haushalt allgemein auszugleichen (vorausgesetzt, keine konkretere Zweckbindung liegt vor). Grundsätzlich ändert die Doppik hieran nichts. Mit einer Einschränkung: Durch den Ausweis der Abschreibungen wird der Verschleiß der Gebäude und sonstigen Sachanlagen nun regelmäßig im Haushalt und beim Jahresabschluss sichtbar. Dies führt zur Notwendigkeit, sich systematischer als bisher mit dem langfristig tragfähigen Umfang an Gemeindeaktivitäten einschließlich der Gebäudeunterhaltung auseinanderzusetzen. Die Akquise von Spenden und Kollekten für konkreten Bauunterhaltungsbedarf insbesondere am Kirchengebäude, der erfahrungsgemäß gut für zusätzliche finanzielle Unterstützungsaufrufe in der Kirchengemeinde geeignet ist, wird durch die Doppik nicht beeinträchtigt. Die Substanzerhaltungsrücklage, die anzusammeln ist, ist nicht einzelnen Gebäuden zugeordnet. Einem etwaigen Eindruck potentieller Spender, es gebe bereits genügend Rücklagen für Bauunterhaltung eines einzelnen Gebäudes, kann so unter Umständen begegnet werden.

In der Doppik ist es zulässig, dass im Falle belegter vergangener Erfolge und/oder nachvollziehbarer künftiger Konzepte bei der Mittelakquise für Baumaßnahmen der Umfang der jährlich für die Substanzerhaltung zurückzulegenden Gelder entsprechend angepasst wird. Das wirtschaftliche Risiko eines möglichen Misserfolgs bei der geplanten Mittelakquise trägt dann allerdings die Kirchengemeinde.

Stichwort „Zuweisung an Gemeinden“: Führt die Doppik zu einer Reduzierung der Zuweisung?

Der neue Stil im Rechnungswesen beeinflusst in keiner Weise die Verteilung der Kirchensteuereinnahmen. Die Kriterien, nach denen Kirchengemeinden und Dekanate in der EKHN ihre Zuweisungen aus dem Kirchensteueraufkommen erhalten, sind in der Zuweisungsverordnung geregelt. Die genaue Höhe der Bemessungssätze legt die Kirchensynode einmal jährlich mit dem Haushaltsgesetz für die Gesamtkirche fest. Diese Sätze sind von der Art des Rechnungswesens unabhängig. Ob mittel- bis langfristig die Verteilung der Kirchensteuereinnahmen Änderungen unterworfen wird, weil neue Erkenntnisse aus der transparenteren Vermögensdarstellung gesammelt werden konnten, kann heute noch nicht beantwortet werden.